«Generation Change – Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht»
Mai 2011
Die Familie Bernecker hat die Nachfolgeregelung zeitgerecht eingeleitet, den Generation Change erfolgreich durchgeführt und die Söhne pflegen die gleiche Unternehmensphilosophie, die ihnen ihr Vater - Hans A. Bernecker, Börsenexperte und Buchautor - hinterlassen hat. Daniel und Jens Bernecker - Geschäftsführer der Bernecker Gruppe - sprechen über das eigene Familienunternehmen, den richtigen Zeitpunkt für den Generationenwechsel und ihre Zukunftspläne.
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Die Bernecker-Gruppe ist vor fünfzig Jahren von Ihrem Vater gegründet worden. Sie sind mit Ihrem Bruder seit 1997 Geschäftsführer des Unternehmens. Welche Bilanz ziehen Sie? Jens Bernecker: Wir haben das Unternehmen zu Beginn einer spannenden Epoche in der Entwicklung der Kapitalmärkte übernommen. Seit 1997 ist an der Börse zweifelsohne viel passiert. Da war es gerade gut, dass mit neuen Herausforderungen auch neue Ideen in unsere Produkte und unsere Botschaft eingeflossen sind. Alles in allem sieht die Bilanz positiv aus. Die Nachfolgeregelung ist in immer mehr Familienunternehmen ein Problem. Oftmals werden Firmen aufgrund fehlender Nachfolger verkauft. War im Hause Bernecker immer klar, dass die «Jungen» einmal das Familienunternehmen übernehmen werden? Daniel Bernecker: Das war nicht immer klar, aber stets beabsichtigt. In den ersten Jahren galt es, auch mal andere Tätigkeiten ins Auge zu fassen. Aber dann wurde uns schnell bewusst, dass es eigentlich keinen besseren Job gibt, als täglich seine Meinung verkaufen zu dürfen. Wie wählt man den richtigen Zeitpunkt für den «Generation Change»? Jens Bernecker: Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Es gibt aber Entwicklungen der Märkte, Kunden und Technologien, die irgendwann einen Wechsel nahelegen. Der Change kommt also von aussen, nicht von innen. Bei uns war es über die Jahre hinweg ein schleichender Prozess. Das hatte auch seine guten Gründe. Das Haus Bernecker war lange Zeit eine One-Man-Show unseres Vaters. Heute haben wir über 50 Mitarbeiter – das Unternehmen ist auf vielen Ebenen mit neuen Produkten gewachsen. Wie haben Sie sich persönlich auf diesen Change-Prozess vorbereitet? Daniel Bernecker: Sie müssen in beide Richtungen schauen. In die Vergangenheit, um die Historie des Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren. Und nach vorne, um künftige Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Hilfreich war in unserem Fall das Studium in den USA, denn die Kapitalmärkte sind nun einmal in erster Linie in Amerika geprägt worden. Auch die Zeit an der Wall Street war sehr hilfreich, denn ohne die dort gesammelten Erkenntnisse ist es heute nur schwer zu verstehen, wie Märkte und Börsenticken. Im Unternehmen selber dann sind wir einen schrittweisen Weg gegangen: von der Redaktionsaushilfe bis zur Geschäftsleitung. Jedes Jahr ein bisschen mehr Verantwortung. Wie meistern Sie die alltägliche Herausforderung des Generationswechsels? Jens Bernecker: Wenn drei Köpfe zusammen arbeiten, dann muss sowohl Platz für Kritik als auch für Lob da sein. Ausserdem ist ein hohes Mass an Toleranz notwendig, denn schliesslich hat jeder seine eigenen Vorstellungen. Wichtig ist die Bereitschaft zur Teamarbeit – so profitiert das Unternehmen immer von der Summe der besten Ideen. Schwierig wird es, wenn einer aus der Reihe tanzen will und keine Rücksicht auf die Ideen der anderen nimmt. Was hat sich verändert, seit Sie und Ihr Bruder die Firma leiten? Daniel Bernecker: Im Kern hat sich wenig verändert. Im Auftritt sehr viel. Einerseits schreiben wir immer noch dieselben Börsenbriefe wie vor 30 Jahren, andererseits nutzen wir heute verschiedene neue Technologien. Nicht nur, um unser Angebot noch attraktiver zu gestalten, sondern auch, um dem Kunden wesentlich mehr Nutzen bieten zu können. Ausserdem delegieren wir wichtige Aufgaben auch an andere Mitarbeiter – das schafft Raum für neue Ideen. Wie sehen die Zukunftspläne aus? Jens Bernecker: Wir wollen unser Angebot noch stärker auf die unmittelbaren Folgen der Finanzkrise fokussieren. Die letzten Jahre haben in der Branche viel Bewährtes in Frage gestellt. Jetzt ist es wichtig, aus den Fehlern der anderen, aber auch den eigenen zu lernen. Ausserdem haben sich durch die Finanzkrise neue Geschäftsfelder eröffnet, die wir gerade testen. Für uns ist die Krise in der Tat eine Riesenchance! Sie und Ihr Bruder haben beide Kinder. Ist damit schon die dritte Bernecker-Börsengeneration am Heranwachsen? Daniel Bernecker: Das werden unsere Kinder selber entscheiden, wenn sie so weit sind. Wir danken Ihnen für das Interview. Interview: Zoran Bozanic, Mai 2011
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